Umfrage zu Wissen und Einstellungen zum Thema „Corona

 

Ziel der Online-Befragung (Januar-Februar 2021) war es, einen repräsentativen Überblick über die Beurteilung der Lage der Corona-Pandemie in der deutsch-sprachigen Allgemeinbevölkerung (Österreich, Deutschland, Schweiz) zu erhalten.

In die Analyse der österreichischen Stichprobe flossen die Daten von 3.848 Erwachsenen. Eine einheitliche Altersverteilung ermöglichte einen repräsentativen Überblick über Einstellung und Befindlichkeit der österreichischen Gesellschaft zum Thema „Corona“.

 

 

Medienbeiträge:

Ergebnisse aus Deutschland: Umfrage zu Pandemie und Lockdown (Focus)

 


 

Studienergebnisse Österreich

In der Auswertung (Stand: 05.02.21) der Studie „Wissen und Einstellungen zu Corona“, welche von Univ.-Prof. Manuel Schabus initiiert wurde, flossen die Daten von insgesamt 3.606 in Österreich lebenden erwachsenen Personen ein (64,2% weiblich, 35,5% männlich, 0,3% divers). Eine homogene Altersverteilung (ca. 20% pro Altersgruppe) ermöglicht ein repräsentatives Abbild der aktuellen Einstellung und Befindlichkeit der österreichischen Gesellschaft zum Thema „Corona“. Nur die Gruppe der 60-69 und der über 70-Jährigen ist mit insgesamt 13,1% etwas geringer vertreten.

In einer weiteren Analyse (Stand: 12.02.21) mit finaler Stichprobe (N=3818) wurden die beiden Extremgruppen der Personen, die fast ausschließlich öffentlich-rechtliches Fernsehen konsumieren (n=871) vs. diejenigen, die auch häufig Privatfernsehen (und nicht täglich öffentlich-rechtliches Fernsehen) konsumieren (n=806) verglichen. Zusätzlich verglich man Nicht-Akademiker vs. Akademiker. In beiden Vergleichen zeigten sich jeweils unterschiedliche Reaktionen, die im Folgenden jeweils ergänzend zu jedem Abschnitt erläutert werden. Die Effekte über Alter und Geschlecht waren hingegen weitgehend gleichverteilt.

Wahrgenommene Einschränkung & öffentliche und private Äußerungen

Fast 90% der TeilnehmerInnen (89,1%) fühlen sich inzwischen durch die Corona-bedingten Maßnahmen sehr (60,2%) oder zumindest etwas (28,9%) eingeschränkt. Diese Bedenken/Unmut teilen die meisten TeilnehmerInnen (81,2%) regelmäßig oder mehrmals im privaten Bereich mit Freunden oder der Familie. Hierbei sind alle Altersgruppen gleichmäßig kritisch. 26,9% der TeilnehmerInnen engagieren sich auch öffentlich durch Postings in Foren, durch die Teilnahme an Demonstrationen oder auch rechtliche Schritte. Gefühle von Ärger und Unruhe aufgrund des Eindrucks einer nicht objektiven Berichterstattung beschäftigten mehr als Drittel der TeilnehmerInnen (38,2%) die ganze oder die meiste Zeit.

57,1% der TeilnehmerInnen mit Hochschulabschluss und 63,5% der Nicht-Akademiker fühlen sich durch die Corona-bedingten Maßnahmen sehr eingeschränkt (N= 3818). Wertet man dieselbe Frage für die beiden TV-Konsum Gruppen aus, zeigt sich eine Diskrepanz von 47,9% bei öffentlich-rechtlichen zu 72,7% bei Privat-TV-Sehern. Auch die Gruppen jenseits der 60 Jahre fühlen sich zu 46,2% sehr oder 35,9% etwas eingeschränkt.

Ihre Bedenken/Unmut bezüglich Corona teilen 65,8% der öffentlich-rechtlichen und 94,9% der Privat-TV-Seher regelmäßig oder mehrmals im privaten Bereich mit Freunden oder der Familie. Frauen wie Männer sind hier gleichsam besorgt und kritisch, und selbst die Gruppe 60+ äußerst sich zu 72,2% regelmäßig oder mehrmals privat kritisch zu den „Corona bedingten Maßnahmen und Gesetzesänderungen“.

Gefühle von Ärger und Unruhe aufgrund des Eindrucks einer nicht objektiven Berichterstattung beschäftigten 31,6% der Akademiker und 45,7% der Nicht-Akademiker. Besonders unterschiedlich reagieren hier wieder die Zuseher vom primär öffentlich-rechtlichem vs. Privatfernsehen: 10,5% stehen hier 68,7% gegenüber die die Berichterstattung die ganze oder meiste Zeit als nicht objektiv und neutral einschätzen.

Befürchtungen

Als größte Befürchtung in der aktuellen Pandemie wird wahrgenommen, (1) dass ein naher Angehöriger erkrankt (68,2%), (2) die wirtschaftlichen Schäden, die befürchtet werden (46,3%) und die Einschränkung der Meinungsfreiheit bzw. der Grundrechte (45%). Am seltensten genannt wurde hingegen die Befürchtung, tatsächlich selbst an „Corona“ zu sterben (15,2%).

In der vergleichenden Betrachtung, welches TV-Medium primär zum Informationsgewinn zur Corona-Pandemie konsumiert wird, scheiden sich abermals die Geister: Während 69,4% der öffentlich-rechtlichen TV-Sehern befürchten, dass ein naher Angehöriger erkrankt, sind dies nur 26,3% bei den Privat-TV-Sehern. Bei den Einschränkungen der Grundrechte und Meinungsfreiheit stehen 21,3% öffentlich-rechtliche, 44,4% Privat-TV-Sehern gegenüber. Körperliche Langzeitfolgen befürchten 46,4% der öffentlich-rechtlichen vs. 12,3% der Privat-TV-Sehern. Selbst schwere Symptome durch Corona zu erleiden stehen 46,1% beim öffentlich-rechtlichen den 9,1% beim Privatfernsehen gegenüber. Tatsächlich Angst an Corona zu versterben haben 15,7% der öffentlich-rechtlichen und lediglich 5,2% der Privat-TV-Seher.

Angst vor psychischen Schäden finden sich etwas mehr bei Frauen (38,2%) als bei den Männern (31,5%), und sowohl bei Akademikern (32,3%) als auch etwas vermehrt bei nicht-Akademikern (39.5%). Wirtschaftlichen Schaden befürchten 52% der Nicht-Akademiker und 41,7% der Akademiker.

Wahrgenommene Belastungen

In der Pandemie am belastendsten wahrgenommen, wird vor allem soziale Kontakte nicht mehr wahrnehmen zu können (42,6% Freunde nicht treffen bzw. 46,7% Angehörige nicht treffen), Homeschooling bei Eltern (44,9%) und wirtschaftliche Folgen (69,8%). Selbst in der Gruppe 60+ wird der Punkt Freunde bzw. Angehörige nicht mehr persönlich treffen zu können mit 63,8% bei den 3 belastendsten Faktoren gereiht. Überraschenderweise wird die Angst, Überträger der Krankheit zu sein (17,3%), selbst zu erkranken (5,6%) oder eine Mangelversorgung durch eine etwaige Überbelastung des Gesundheitswesens (15,2%), als weit weniger belastend eingestuft als die zuvor genannten sozialen und wirtschaftlichen Folgen.

Im Geschlechtervergleich gaben 80,7% der Frauen und 73,3% der Männer an, dass es (sehr oder etwas) belastend ist die Angehörigen nicht mehr regelmäßig persönlich zu treffen. Auch bei der Sorge, dass ein naher Angehöriger erkrankt, waren Frauen (58,4%) besorgter als Männer (46,1%). Die getrennte Analyse nach Personen, die primär öffentlich-rechtliches vs. auch regelmäßig Privatfernsehen konsumieren, ergab erneut eine wesentlich größere Beunruhigung der ersteren Gruppe (75,7% vs. 31,6%). Auch die persönliche Sorge an Corona zu erkranken, wird bei öffentlich-rechtlichen Fernsehzusehern viel höher angegeben (42,8%) als bei Personen, die auch regelmäßig Privatfernsehen sehen (7,5%).

Private Konflikte aufgrund von Diskussionen zum Thema Corona sind unter Frauen (52,7% vs. 43,4% bei Männern) und Zusehern von Privat-TV (62% vs. 38% bei Öffentlich-Rechtlichem) wesentlich häufiger. Frauen erleben das Thema „Homeschooling“ zu 50,3% als sehr belastend (vs. 37,9% beim männlichen Counterpart). Auch erleben Frauen das Hören/Sehen von Nachrichten zu „Corona“ (65,6%) als wesentlich belastender als Männer (52,1%).

Wirtschaftliche Folgen werden von Frauen (73,1%) als (sehr) belastend empfunden, bei Männern sind dies noch immerhin 65,2%. Interessant ist, dass auch hier wieder Personen, die regelmäßig Privatfernsehen konsumieren (84,6%) deutlich besorgter reagieren als die Zuseher von primär öffentlich-rechtlichem Fernsehen (57,3%).

Dasselbe Bild findet man bei befürchteten gesundheitlichen Kollateralschäden (d.h. mangelnde Versorgung anderer Krankheiten, aufgeschobene OPs, etc.) mit 70,7% (sehr) besorgter Frauen und 62,3% (sehr) besorgter Männer bzw. 58,4% bei öffentlich-rechtlichen TV-Zusehern vs. 79,6% bei solchen, die regelmäßig Privatfernsehen konsumieren.

Auch bei der Frage nach beeinträchtigtem Schlafverhalten aufgrund der Pandemie, zeigen sich Frauen wesentlich mehr betroffen (30,5%) als Männer (19,5%).

 

Eingeschätzte Wahrscheinlichkeit zu erkranken

Interessant ist auch das Ergebnis zur Frage „Für wie groß halten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass „Corona“ bei Ihnen im Laufe der nächsten 12 Monate eine lebensbedrohliche Erkrankung (in%) auslöst?“ Selbst wenn man von allen bereits SARS-CoV2 infizierten Fällen ausgeht, liegt die statistische Wahrscheinlichkeit (1) hospitalisiert zu werden zwischen 0,25% (10-29 Jahre) und 17,1% (75-79 Jahre), (2) das Risiko auf der Intensivstation zu landen bei 0,24% (18-29) bis 2,81% (70+). [Anmerkung 14% der Hospitalisierten Covid-19 Erkrankten werden im Schnitt intensivmedizinisch behandelt; Quelle RKI].

Das subjektiv erlebte Risiko wird 6x (70+) bis 56x (<39) fach überschätzt (siehe Tab. 1):

 


Interessanterweise wird jedoch die Übersterblichkeit in der Gesamtbevölkerung nicht über-, sondern eher unterschätzt. Bei der Frage der Übersterblichkeit für 2020 nehmen 26.7% noch eine sehr starke oder starke Übersterblichkeit an, beziffern die Übersterblichkeit dann jedoch mit 3816 Fällen im Schnitt (winsorized mean; 95% Konfidenzinterval 3673-3959). Tatsächlich lag die Sterblichkeit im Jahr 2020 jedoch 5350 Fälle über der erwarteten Schwankungsbreite (Sterblichkeit in Ö 2019: 83386 (+-2791 Schwankungsbreite); Sterblichkeit Ö 2020: 91527 (Anm. unbereinigt für Bevölkerungswachstum und Anstieg der Gruppe 65+ in Gesamtbevölkerung). 25,2% erwarten keine Übersterblichkeit.

Bei der getrennten Auswertung nach Geschlecht und primärem TV-Medium überschätzten Frauen (18-69J.) das Risiko systematisch stärker als Männer, und umso stärker je jünger sie sind (siehe Tabelle 2). Zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern gibt es dabei keine nennenswerten Einschätzungsunterschiede.


Analysiert man diese Einschätzungen separat für die beiden oben definierten Extremgruppen, d.h. primäre Konsumenten öffentlich-rechtlichen Fernsehens vs. solchen die regelmäßig Privatfernsehen (aber nicht täglich Öffentlich-rechtlich) konsumieren so zeigen sich höhere Risiko-Einschätzungen in der Gruppe der öffentlich-rechtlichen Zuseher (11,8% bei der jüngsten Gruppe, 19,9% bei der 70+ Gruppe) vs. 7,7% bei der jüngsten Gruppe (18-29J.) und 5,7% (70+) bei letzterer Gruppe.

Mit Hilfe des Risikorechners QCOVID der Univ. Oxford – https://qcovid.org/Calculation – kann das individuelle schwere Erkrankungs- (Krankenhausaufenthalt) und Sterberisiko aufgrund von COVID-19 noch viel genauer berechnet werden als oben in der Tabelle angegeben. Siehe dazu auch die Fachpublikation www.bmj.com/content/371/bmj.m3731 für weitere Details.

 

Publikation:

Schabus, M., & Eigl, E. (2021, July 23). Survey on “Knowledge and Attitudes Regarding the Coronavirus Pandemic” in the Austrian, German and Swiss population.  

https://osf.io/zae52/

 

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